Von Appelbüttel zum Kiekeberg

Ich habe schon häufiger versucht, den gelben Pfeilen des Wanderverbands Norddeutschland von Appelbüttel zum Kiekeberg oder Gegenrichtung zu folgen, bin aber immer irgendwann vom Weg abgekommen. Vielleicht deshalb, weil der Routenverlauf neben Trampelpfaden auch Hänge mit einschließt, die ich im besten Fall als ambitioniert beschreiben würde und außerdem eine Schleife macht, die zumindest nicht durch die Absicht, von A nach B zu kommen, zu erklären ist. Es ist nicht so, dass man sich hier wirklich verlaufen könnte – der Eißendorfer Forst ist insgesamt sehr übersichtlich. Aber seit geraumer Zeit reizte es mich herauszufinden, welche Route der Wanderverband ursprünglich im Sinn hatte.

Mitte Juli ist es mir zum ersten Mal gelungen, auf eben dieser Route zu bleiben. Und voller Stolz möchte ich euch an diesem Erlebnis teilhaben lassen. Ich habe deswegen minutiös jede Wegmarke (gelber Pfeil mit scharzem Rand) fotografiert/dokumentiert, so dass ihr beim Zuschauen dieses kleinen Filmchens munter mitraten könnt, wo es lang geht. Teilweise sind diese Pfeile auch beschriftet: KI steht dabei für Kiekeberg, in der Gegenrichtung findet sich gelegentlich das A für Appelbüttel. Aber seht selbst.

Auf so ziemlich jedem Foto ist nämlich ein Pfeil versteckt, der die aktuellen Richtungsänderungen anzeigt. Es ist ein bisschen wie bei einer Schnitzeljagd, ein Abenteuer für die ganze Familie – auch wenn das vielleicht ursprünglich vom Wanderverband nicht so geplant war. Wem die Sucherei zu anstrengend ist, kann sich auf Komoot.de ja immer noch den gpx-File meiner Tour herunterladen und sich mittels Navi auf den Weg machen.

Los geht’s in Appelbüttel, gut mit dem Bus (340/4200/4210), Haltestelle Appelbütteler Weg, zu erreichen. Von dort geht es in Richtung Westen auf dem Vahrendorfer Stadtweg, allerdings nur ein paar Meter weit, bevor die Route rechts in den Wald hinein führt. Dort steht auch eine Hinweistafel, auf der erklärt wird, dass der Eißendorfer Forst aktuell durch eine Reihe eigens angelegter Teiche als Ausgleichsfläche für den Amphibienschutz aufgerüstet wird. Da ich kein ausgesprochener Freund von Ringelnatter und Co bin, fand ich es beruhigend, dass der ausgeschilderte Wanderweg an keinem dieser Teiche vorbeikommt.

Der Eißendorfer Forst wird heimelig durchschnitten durch die A7, die auch für den Soundtrack der Tour sorgt. Blaubeeren gibt’s hier ohne Ende; sie waren inzwischen allerdings weitestgehend abgeerntet – offensichtlich ist das kein Geheimtipp mehr.

Der Wanderweg arbeitet sich durch den nordöstlichen Zipfel der Harburger Berge, die ihren Namen durchaus zurecht tragen. Es geht stetig bergauf und bergab, teilweise über erstaunlich steile Hügel, geschätzte 25% Steigung auf rutschigem Sandboden, die eine gewisse Trittfestigkeit voraussetzen. Barrierefrei ist das nicht. Man kann natürlich auch um die Hügel herumlaufen – die Route ist dann aber eben nicht mehr ausgeschildert.

Auch gibt es Stellen, an denen deutlich wird, dass sich Revierförster Arne Schulz und der norddeutsche Wanderverein nicht immer hundertprozentig einig über den Streckenverlauf sind. Dann zeigen die Pfeile in eine Richtung, die mittels Bruchholzaufschüttungen und Schnittholz unpassierbar sind. Auch hier ist eine gpx-Version der Route hilfreich, um zu sehen, auf welchen aktuellen Wegen man solche kleinen Unwegbarkeiten am besten umgeht.

Erst gegen Ende der Strecke, nachdem ich die A7 bereits überquert habe und – den Pfeilen folgend – über einen sandigen Reitweg ins Emmetal hinabgestiegen bin, ändert sich die Landschaft, die bis dahin vor allem aus Variationen von Wald bestand. Pferdekoppeln, weite Felder und schließlich der Kiekeberg mit seinem Museumsdorf tauchen auf und sorgen für einen erfrischenden Kontrast zum Ende der Strecke.Vom Kiekeberg aus kann man bei gutem Wetter bis zum Süllberg sehen. Es gibt dort auch ein schönes Gasthaus. Leider hat die Inhaberin, Frau Irma Schuster, gerade bekannt gegeben, dass sie „auf Grund der personellen Situation“ den Gastronomiebetrieb zum Oktober 2022 aufgibt. Immerhin 200 Jahre lief der Familienbetrieb.

Früher stand hier auch ein 23 Meter hoher, als Ausflugsziel sehr beliebter Aussichtsturm, der Bismarkturm, der allerdings 1945 gesprengt wurde. Die deutschen Truppen hatten ihn platt gemacht, aus Angst, die anrückenden Briten könnten ihn als Artillerie-Beobachtungspunkt nutzen. Mittlerweile wurde vor dem Gasthaus ein neuer, etwas kleinerer Aussichtsturm errichtet. Ein bisschen wackelig, komplett aus Holz, aber irgendwie auch nett.

Resümee der Tour: Viel Wald, viele Berge – ein wenig Kondition kann nicht schaden. Eine Busverbindung zurück gibt es auch, wahlweise mit dem 340er oder der Linie 4244, die beide bis zum Bahnhof Harburg fahren – oder je nachdem, wo man gerade hinwill, auch nach Klecken, Buchholz oder Neuwiedenthal.

Wanderkarte dieser Tour, gpx-Daten der Tour und Fotos gibt es wie immer auf Komoot:
https://www.komoot.de/tour/856411751

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