Bad Bramstedt Rundwanderweg R2: Westtour

Am Ostersonntag 2022 hat es mich in den etwas hügeligeren Westen von Bad Bramstedt gezogen. Da ich mich in der Gegend überhaupt nicht auskenne, verließ ich mich auf einen ausgeschilderten Wanderweg: den Rundwanderweg R2 – von der Tourismusverwaltung liebevoll “Westtour” genannt.

Die Tour beginnt am Schloss – bzw. am Torhaus von Bad Bramstedt, denn mehr als dieses Torhaus ist vom Schloss leider nicht mehr erhalten. Der dänische König Christian schenkte das ehemalige Gut seiner Mätresse Wiebeke Kruse 1633 als Versorgungshof. Die alte Hofanlage war fünf Jahre zuvor abgebrannt, so dass umfangreiche Baumaßnahmen anstanden, als Christian das Gut 1931 erwarb. Das Torhaus ist in dieser Zeit entstanden.

Bedenkt man, dass es sich beim Schloss Bad Bramstedt um eine Liebesgabe des Königs an seine nicht standesgemäße Lebensgefährtin handelt (Wiebeke war Wäscherin am Hofe), ist nur folgerichtig, dass man heute am Rand der Schloss-Brücke seine Liebesschlösser hinhängen darf, jene kleinen Vorhängeschlösser, in denen oft auch die Namen der Liebenden eingraviert sind und die ewige Treue symbolisieren sollen. Der R2 führt über diese Brücke.

Die nächsten 2,5km entlang der Glückstädter Straße sind ein wenig nervig und touristisch wenig ergiebig. Dann aber, hinter Hitzhusen, wird aus der Straße ein Feldweg, der zwar immer noch ziemlich schnurgeradeaus verläuft, aber als Allee zwischen den Feldern gleich viel mehr hermacht. An mehreren Stellen grasten Rehe, während junge Böcke damit beschätigt waren, die Rangfolge unter sich auszumachen. Landidyll eben.

Am Ende des Feldweg erreicht man den Ort Föhrden-Barl, ursprünglich aus den beiden Dörfern Föhrden und Barl bestehend, die durch den Fluss Bramau von einander getrennt waren. Hier soll Wiebeke als Tochter des Hufners Hans Kruse gelebt haben. Die erste Begegnung mit Christian IV fand allerdings in Bad Bramstedt statt, wo der König sie gesehen und sich Hals über Kopf in sie verliebt hat. So weit die Legende. Mittlerweile hat die Forschung sowohl bezüglich Wiebekes Herkunft als auch dem Ort, an dem sie dem König zuerst begegnete, andere Schlüsse gezogen. Aber in Bad Bramstedt lebt die Geschichte nach wie vor. Die Wahrheit verblasst vor einer schönen Liebesgeschichte.

In Föhrden-Barl ging es dann vom Feldweg zurück auf die Straße, diemal ohne Bürgersteig, aber nicht wirklich weniger befahren als die Glückstädter Straße. Wer Island-Ponys mag, wird den Ort Krücken mögen, denn dort befindet sich das Islandpferdegestüt Vierthohen und auf beiden Seiten der Straße stehen die Tiere herum und freuen sich über ein wenig Abwechslung.

Hinter Krücken beginnt dann auch der Teil der Tour, auf den ich mich persönlich am meisten gefreut und von dem ich mir am meisten versprochen habe: Es wird hügelig. Aufgrund der kleine Ortschaft Weddelbrook, an der die Erhebung liegt, wird die Gegend “Weddelbrooker Schweiz” genannt, wohl in Anlehnung an die Holsteinische Schweiz. Der Name könnte allerdings falsche Erwartungen wecken. Es ist nicht ganz der “Provence-Blick”, den andere Wanderer hier entdeckt zu haben meinten. Aber zumindest handelt es sich eindeutig um einen Geestrücken mit teilweise recht schöner Aussicht auf das Flachland.

Zurück geht es dann quer über den Golfplatz von Bad Bramstedt – mit den dazugehörigen Hinweisschildern, dass die Bälle hier durchaus tief fliegen können und Einladungen “zum Tee” hinter jeder Biegung. “Tee” wird in der Golfersprache der Punkt genannt, von dem aus der erste Abschlag eines jeden Lochs ausgeführt wird. Also nicht darüber ärgern, wenn in ausgeschilderter Richtung wider Erwarten gar keine Tasse Tee zu bekommen ist.

Bis hierhin war der Wanderweg mit seiner 2 im Kreis auf blauem Grund übrigens sehr gut ausgeschildert. Erst im Kurpark wurde es ein wenig unübersichtlich. Und auf den letzten Metern führte ein Richtungspfeil zunächst auf einen Trampelpfad und dann irrigerweise in ein paar Privatgärten. Ich gehe stark davon aus, dass ein paar Jugendliche sich hier einen Spaß gemacht und das Schild verdreht haben.

Insgesamt: Wem während der Kur langweilig ist, der hat mit den fünf ausgeschilderten Wanderwegen sicher ein wenig Abwechslung. Ich persönlich fand den nördlichen Teil der heutigen Route allerdings etwas monoton. Da lässt sich mehr aus der Region herausholen, als Straßen zu latschen.

Einen Überblick über alle fünf Rundwanderouten von Bad Bramstedt gibt es unter https://www.bad-bramstedt.de/media/custom/2035_1218_1.PDF

Karte, gpx-Daten und Fotos (vor allem der Hinweistafeln zum Nachlesen) wie immer auf Komoot: https://www.komoot.de/tour/740090883

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