Songs

Song: Manchmal

“Manchmal” gehört zu jenen Songs, die ich schrieb, als ich etwa 20 Jahre alt war. Zu jener Zeit legte ich die Gitarre kaum aus der Hand. Ich war auf der einen Seite von den rebellischen Texten des Musicals “Hair” begeistert. Da fanden sich Anti-Kriegs-Lieder oder ein Song über die Umweltverschmutzung wie selbstverständlich neben Liebesliedern oder Songs, die sich um das Verhältnis zu Gott drehten.

Und dann gab es da die große Welt des französischen Chansons, das auch vor dunklen Themen nicht zurückschreckte. Ich denke an “Nuit et brouillard” von Jean Ferrat. Das Lied bezieht sich auf die Deportation von Menschen, insbesondere Juden, während des Zweiten Weltkriegs durch das Nazi-Regime. Der Titel “Nacht und Nebel” war der Codename für eine geheime Anordnung Adolf Hitlers, nach der Widerstandskämpfer und andere “unerwünschte Personen” spurlos verschwinden sollten. In dem Lied erinnert Ferrat an die Opfer des Holocaust und prangert die Gräueltaten der Nazis an. Er ruft dazu auf, diese schrecklichen Ereignisse nicht zu vergessen und wachsam zu bleiben, damit sich solche Verbrechen nicht wiederholen. Das Lied ist bekannt für seine eindringliche Melodie und seinen bewegenden Text, der die Schrecken der Konzentrationslager und das Leid der Deportierten beschreibt.

Die deutschen politischen Liedermacher haben mich ebenso mitgeprägt. Wolf Biermann natürlich, aber auch Hannes Wader, die Bots, Franz Josef Degenhartdt. Ich erinnere mich an ein Interview mit Wolf Biermann, in dem er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, dass sein Kampflied “Du, lass dich nicht verhärten” mit den Jahren zu einem Kirchentagsschlager verkam. Und dass er den Song “Trotz alledem” am liebsten mit dem Schwung eines “Eins in die Fresse, mein Herzblatt” intonierte.

Aber die Erfahrung, dass viele meine Songauswahl nicht verstanden und vor allem nicht mochten, machte ich schon auch. “So was wollen wir gar nicht hören” ist so ein Spruch aus jenen Tagen. Und damit bin ich auch schon wieder bei Ferrat, der am Ende von “Nuit et brouillard” sang: “Darum muss die Gitarre ‘Erinnerung’ schrei’n”.

Dabei ist “Manchmal” gar kein politischer Text. Er spiegelt jedoch ganz gut meine Sprachlosigkeit, als ich erkennen musste, dass wir, die wir Gitarre spielten, eigentlich nur Pausenclowns waren, die für eine gute Stimmung sorgen, aber nach Möglichkeit niemanden mit seiner Meinung behelligen sollten. Oder wenn, dann wenigstens nur mit einer Meinung, die als allgemeiner Konsens durchgehen konnte. Wahrscheinlich war das auch einer der Gründe, warum ich die Gitarre dann viele Jahre lang an den Nagel gehängt habe:

Ich habe den vierzig Jahre alten Song jetzt neu abgemischt und veröffentlicht. Als ich das tat, dachte ich noch, “Ennko” sei ein ganzg brauchbarer Künstlername. Inzwischen weiß ich aber, dass mehrere Künstler nahezu zeitgleich auf dieselbe Idee gekommen sind. Von daher bin ich mir nicht sicher, ob es unter diesem Namen eine Zukunft für mich gibt. Wenn ihr diesem Blog folgt oder zumindest meine Playlist auf YouTube abonniert, werdet ihr aber auf dem Laufenden bleiben. Denn meine Lust, mich an eigenen Texten musikalisch abzuarbeiten, ist ziemlich ungebremst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert