Warum eine Weinkolumne?

Ich mache euch nichts vor. Ich bin über Jahrzehnte ein Ignorant gewesen, was mein Wissen vom Wein angeht. Mittlerweile habe ich mir einen Weinkeller zugelegt, den ich nach und nach auffülle. Aber das ist “Learning by doing”. Angefangen habe ich mit ein paar Kisten relativ preiswerten Bordeaux-Wein aus dem Supermarkt. Parallel dazu fing ich an, mich mit der Literatur zum Thema zu beschäftigen. Damit wuchs meine Neugier und mein Kaufverhalten änderte sich. In dieser Kolumne erzähle ich davon, wie ich immer tiefer in die Welt der Weine eintauche.

Mein eigentliches Offenbarungserlebnis hatte ich vor ein paar Jahren mit einem absoluten Billigwein. Als Gymnasiasten war der „Rosenthaler Kadarka“ unsere Stammmarke. Dieser bulgarische Rotwein war fruchtig, leicht herb, aber würzig. Ideal für unseren kleinen Geldbeutel. Nach dem Tod meiner Eltern hatte ich im Keller eine vergessene Flasche dieses Tropfens gefunden. Sie war mittlerweile über vierzig Jahre alt und ich war sicher, der Wein wäre inzwischen gekippt und einsam und allein gestorben. Aber im Gegenteil: Dadurch, dass er all die Jahre im Dunkeln in Ruhe gelassen worden war, hatte er sich zu einem unvergleichlichen Geschmackserlebnis entwickelt. Er hatte fast die Konsistenz eines Sherrys angenommen, war lieblich, fruchtig – ein Genuss.

Ein ganz ähnliches Erlebnis hatte ich mit einem Rheingauer aus ebendiesem Keller, der ebenfalls um die 40 Jahre alt gewesen sein musste. Ohne viel von Wein zu verstehen, hatte ich das Gefühl, hier etwas ganz Besonderes zu trinken: Bernsteingelb, leichte Säure, fruchtig, mit einem Background von flüssigem Honig.

Heute weiß ich, dass Wein lebt und seine Zeit zum Reifen braucht. Die preiswerten A.O.P.-Weine sind nicht unbedingt lagerfähig und können jung genossen werden. Aber schon bei einem „Bordeaux Superieur“ lohnt es sich, ihn sechs bis acht Jahre lagern zu lassen. Und bei allen Chateau-Weinen mit Appellations-Angabe wäre es ohnehin eine Schande, sie vor dem achten Jahr zu köpfen. Einige Weine fangen gar erst nach zehn Jahren an, sich langsam zu öffnen.

Deswegen macht ein Weinkeller Sinn. Junge Weine lassen sich relativ günstig kaufen, trinkreife, gut gealterte Weine sind um Längen teurer. Wer also nicht gerade im Geld schwimmt, tut gut daran, die Weine selbst zu lagern. Auch wenn das Warten schwer fällt.

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