Bordeaux-Weine

Wir saßen mit ein paar Freunden am Strand. Irgendjemand hatte eine Gitarre dabei. Ein kleines Lagerfeuer knisterte in unserer Mitte. Weinflaschen kreisten. Ein paar junge Franzosen hatten sich zu uns gesellt. Mit Kennermine sahen sie sich die Etiketten der Flaschen an, die wir mitgebracht hatten. Dann verrieten sie uns ein Geheimnis, das ich bis heute nicht vergessen habe: “Wenn ihr einen guten Wein trinken wollt, achtet auf das A.B.C.!” Und sie erklärten: “Die besten französischen Weine kommen aus dem Bordeaux. Und die erkennt ihr daran, dass auf dem Etikett steht: Appellation Bordeaux Contrôlée – A.B.C.”

Mittlerweile ist aus dem A.B.C.-Label ein L’Appellation d’origine protégée (AOP) geworden. Ansonsten hat sich seit damals nicht viel geändert. Außer vielleicht das Wetter, das heute ganz andere klimatische Bedingungen schafft und daher anderen Traubensorten zu ihrem Einzug in der Region verhilft.

Die Weinregion Bordeaux ist von ihrem Terroir her nicht homogen. Deswegen spielt die Appellation, die Gegend, aus der der Wein kommt, eine wichtige Rolle. Wikipedia listet derzeit 37 Appellationen, aber ich habe Fachleute gehört, die von mehr als 60 Appellationen ausgehen. Vielleicht lerne ich sie irgendwann alle kennen. Zurzeit ist es mein Ziel, aus jeder Appellation des Bordeaux wenigstens ein oder zwei Flaschen im Regal zu haben.

Nachdem ich lange relativ billige Weine gekauft habe, begriff ich irgendwann, dass allein die Herkunftsbezeichnung „Bordeaux“ auf dem Etikett zwar nett ist, aber nicht unbedingt für überragende Qualität steht. Und dass ein „Bordeaux Superieur“ zwar etwas höhere Ansprüche erfüllt, aber eben noch lange nicht „superb“ bedeutet.

Mein nächster Schritt war, nur noch Chateau-Weine zu kaufen, um den allgemeinen A.O.P.-Cuvées zu entgehen. So kann ich zumindest nachvollziehen, wo ein Wein angebaut wird. Und im besten Fall erfahre ich so über das Internet etwas mehr über Zusammensetzung, Terroir und Philosophie des Weins.

Dass eine Chateau-Bezeichnung durchaus auch fake sein kann, habe ich etwas später begriffen. Mehr darüber in der nächsten Kolumne.

Mittlerweile achte ich, wie oben bereits angedeutet, auf die Angabe der Appellation auf dem Etikett. Ich weiß, dass die Weine vom linken Ufer der Garonne und Gironde einen höheren Anteil an Cabernet Sauvignon-Trauben haben, weil der Boden hier sehr kieshaltig ist und das Wasser dadurch schnell versickert. Damit kommt die Cabernet Sauvignon einfach besser zurecht als die Merlot-Traube, die den Ton und Schiefer des rechten Ufers bevorzugt. Dadurch sind die Weine vom linken Ufer kerniger, soll heißen gerbstoffhaltiger als die vom rechten.

Und dann gibt es noch die Region zwischen Garonne und Dordogne, Entre-deux-Mers, in der vor allem Weißweine angebaut werden.

Wer Lust hat: Ich habe mir – in Anlehnung an den oben verlinkten Wikipedia-Artikel – eine Lernsoftware gebastelt, um die regionale Anordnung der Appellationen zu durchschauen. Das hilft, um im Weinregal meines Händlers zu erkennen, wo genau ein Wein her kommt. Mein Ziel ist ja, schon anhand eines Etiketts einen ersten Eindruck davon zu bekommen, was mich bei einem Wein erwartet. Zum Spiel, bzw. der Software: Wenn ihr auf der verlinkten Karte einen der blauen Punkte anklickt, wird euch gezeigt, wie die jeweiligen subregionalen und kommunalen Appellationen heißen. Und mit ein bisschen Übung könnt ihr dann auch auf Zuruf die jeweilige Appellation finden. Hier geht’s zur Karten: https://www.purposegames.com/de/game/wine-regions-of-bordeaux-game Viel Spaß beim Spielen!

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